Anwalt

       BeratungRechtsberatung

Ratgeber

Wissenswertes aus dem Bereich Gesellschaftsrecht

Für Inhalt, Vollständigkeit und Aktualität der Informationen übernehmen wir keine Gewähr.

Limited (Ltd.)

Die Limited company ist eine Gesellschaftsform in Großbritannien, die strukturell mit der Aktiengesellschaft vergleichbar ist. Sie ist in Großbritannien auch für kleinere Unternehmen die gebräuchlichste Form der Kapitalgesellschaft und erfüllt damit ähnliche wirtschaftliche Funktionen wie die deutsche oder österreichische GmbH. Die Limited company erfreut sich, insbesondere wegen ihrer geringen Mindeststammeinlage von 1 £, auch im Ausland steigender Beliebtheit.

Arten

  • private limited company by shares (Ltd.), welche für kleine und mittelständische Unternehmen die übliche Unternehmensform ist

  • private limited company by guarantee, in welcher abweichend von der üblichen Form der Aktiengesellschaft kein Stammkapital gebildet wird, sondern die Aktionäre eine Garantie abgeben, im Falle der Insolvenz der Gesellschaft bis zu einem bestimmten Betrag für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft einzustehen

  • public limited company (PLC), welche die übliche Unternehmensform für große, oft börsennotierte Unternehmen ist

  • company limited by guarantee, eine Sonderform, die bei nicht-gewinnorientierten Unternehmen zur Anwendung kommt

 

Überblick

Es gibt in Großbritannien keine organisatorisch der GmbH im deutschsprachigen Raum entsprechende Form der Kapitalgesellschaft. Die wirtschaftliche Funktion der GmbH wird hier von den privaten Formen der Aktiengesellschaft (Private/Propriety/Proprietary Limited Company - Pty. Ltd. Co.) ausgefüllt. Nur die Aktien der öffentlichen Aktiengesellschaft (Public Limited Company, PLC) können an der Börse gehandelt werden. Die Firma der Gesellschaft muss jeweils einen die Rechtsform kennzeichnenden Zusatz enthalten. In der Regel werden die Kürzel Ltd. oder PLC verwendet.

Die Limited Company kann durch eine oder mehrere Personen als Aktionäre (shareholder) gegründet werden. Ferner muss für die Gesellschaft ein Geschäftsführer (director) und ein Sekretär (secretary) bestellt werden. Diese Positionen dürfen auch durch Aktionäre eingenommen werden.

Verwendung der Limited Company im Ausland

Nach der Rechtsprechung des EuGH ist es zulässig, sich für die Geschäftstätigkeit im eigenen Land auch der Gesellschaftsformen anderer Mitgliedsländer der Europäischen Union zu bedienen (Urteil des EuGH vom 05. November 2002 - Rs. C-208/00 - "Überseering"). In diesem Zusammenhang hat die britische Limited Company vor allem wegen der Flexibilität in der Kapitalausstattung und wegen der Möglichkeit einer schnellen Errichtung zu großer Beliebtheit gefunden.

Auch wenn die Ltd. nicht in Großbritannien ansässig ist, wird sie nach den in Großbritannien für sie geltenden Vorschriften gegründet und in die dortigen Register eingetragen. Die Ltd. benötigt einen Verwalter in Großbritannien. Organe und Vertretungsbefugnisse richten sich nach dem Recht Großbritanniens.

Dagegen unterliegt die eigentliche Geschäftstätigkeit der Gesellschaft dem Recht des Sitzstaates.

Ist die Gesellschaft in Deutschland ansässig, so wird sie steuerlich wie eine deutsche Kapitalgesellschaft behandelt und hat ihre Bilanzen nach deutschem Steuerrecht zu erstellen.

In Deutschland existierten 2006 bereits 30.000 Limited Companys, weshalb von einem Wettbewerb der Rechtsformen zwischen GmbH und Ltd. die Rede ist. Die Bundesregierung beabsichtigt, durch eine Modernisierung des GmbH-Rechts die deutsche Rechtsform zu stärken.

Risiken einer Limited in Deutschland

Der Einsatz der Ltd. in Deutschland ist nicht ohne Risiko. Wegen des geringen Stammkapitals verlangen die Gläubiger häufig Personalsicherheiten (z. B. Bürgschaften) von den Gesellschaftern. Auch sollen Banken neu gegründeten Ltd. Geschäftskonten auf deren Namen verweigert haben.

Abseits der rechtlichen Risiken: In Deutschland tätige Limited-Unternehmen haben in der Bevölkerung oftmals einen schlechten Ruf, da ein Teil dieser Unternehmen „windige“ oder unrechtmäßige Geschäfte betreiben. Sie versuchen zudem über die Rechtsformwahl, die hinter dem Unternehmen tätigen Personen zu verschleiern.

Die Kollision deutschen Rechts mit dem britischen Gesellschaftsrecht hat ferner große Rechtsunsicherheit zur Folge. Insbesondere die Frage der Gesellschafter- und Geschäftsführerhaftung birgt insoweit Risiken, da das englische Recht strenger ist als das deutsche. Nach einem Urteil des BGH gilt das britische Haftungsrecht aber auch dann, wenn die Gesellschaft ihren Verwaltungssitz in Deutschland hat.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Aktiengesellschaft (Vereinigtes Königreich) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

 

 Rechtsanwalt

just law Rechtsanwälte, Groner-Tor-Straße 8, 37073 Göttingen  Kanzlei info@justlaw.de

www.justlaw.de